Le Tour – ich war da!

Man muss schon ein bischen bekloppt sein um bei 32 Grad Celsius 340 Kilometer in voller Motorradmontur durch drei Länder zu hetzen, nur um ein paar noch Bekloppteren dabei zuzusehen, wie sie ungefähr das Gleiche auf Rennrädern erledigen, wenn auch in etwas leichterer Kleidung.

Gegen 11:00 Uhr sind wir in Nideggen aufgebrochen, fünf Motorrädder, bunt gemischt Triumph, Yamaha, Suzuki und zwei mal Kawasaki, wobei natürlich meine KLEine das Schlußlicht in Sachen Leistung und Geschwindigkeit darstellte (vom Leistungsgewicht mal ganz zu schweigen), Umstände denen ich bei der Abfahrt noch nicht all zu viel Bedeutung beigemessen habe, die sich später dann aber doch nachdrücklich bemerkbar machten.Quer durch die Eifel ging es nach Belgien und dort, wie sich später herausstellte aufgrund eines Mißverständnisses über St. Vieth Richtung Luxemburgische Grenze „zum billig Tanken“. Genau auf selbiger (Grenze) dann die erste Streckensperrung und auch schon die ersten Ausläufer der immensen Werbekarawane der Tour de France. „Billig tanken“ war allerdings auf der anderen, unerreichbaren Straßenseite, leider nicht nur billig, sondern überhaupt Tanken. Der einzige mit einem Benzinproblem war natürlich ich. Um so erfreuter war ich als es hieß „nach der Karawane wird die Strecke für eine halbe Stunde frei gegeben. Gesagt getan, kaum war das letzte Kolonnenauto (Telekom) vorbei konnte ich zum Tanken fahren. Nur zurück wollte man mich nicht lassen. Da stand ich dann also in Luxemburg, meine Reisegruppe in Belgien, genau wie mein Helm, den ich für die 10m zur Tanke liegen gelassen hatte.
Lustigerweise durfte ich wohl rüberlaufen um meinen Helm zu holen, aber erwartungsgemäß half auch mein Hinweis, daß ich schon mal was mit Radrennen zu tun habe und weiß wie ein heranbrausendes Tourfahrzeug aussieht, grad gar nichts. FRUST

Nach einigen Diskussionen auf meiner Seite (der Luxemburger), als auch auf der gegenüberliegenden (der Belgischen), wurde dann doch noch mal kurz die Strecke geöffnet und ich konnte nach 10 Minuten zurück zu meiner Reisegruppe. Glück gehabt.
Leider hatten wir dadurch natürlich zusätzlich Zeit verloren wo wir doch sowieso eigentlich gar nicht hier sein wollten. Eigentlich wollten wir ja nach Spa Francorchamps…. etwas über eine Stunde Zeit bis der Tross dort ist…..

Man ahnt es, jetzt kommt der Zeitpunkt an dem die Leistung meiner KLE anfängt eine Rolle zu spielen. Zunächst also zurück Richtung St. Vieth, zur Autobahn. Durch die Aufregung an der Grenze war ich ziehmlich neben der Kappe und habe vor fast jeder Kurve heftig gebremst. Ein schönes Beispiel dafür wie wichtig die Konzentration und die emotionale Verfassung fürs Motorradfahren ist, nebenbei bemerkt. Aber meine lieben Kollegen hatten sich eine wunderbare Therapie überlegt… ca 30km Autobahn in leicht erhöhtem Marschtempo. Um es kurz zu machen… der KLE Tacho lügt mit Sicherheit erheblich, aber er hat mal kurz 170 angezeigt, meistens mindestens 150. Das ist anstrengend auf ’ner KLE wenn Mann, auch dank eines breiteren Lenkers, soviel Angriffsfläche in den Wind stellt. Dann hatte ich noch meinen Koffer (mit Deutschlandfahne) dabei, was die Fuhre auch nicht aerodynamischer gestaltete, aber wir wollten ja auch gar nicht Autobahn fahren.

Nach einem kurzen Abstecher durch den Wald passierten wir dann auch die vom Formel 1 Entzug bedrohten Rennstrecke bis wir dann in in einem malerischen Ort wieder auf die bekannte Streckensperrung trafen und auf exakt die gleichen Werbefahrzeuge wie wir sie schon von der ersten Station kannten.

Hier fanden wir nach einiger Suche eine geöffnete Bäckerei in der es lecker Baguette und vorallem etwas zu Trinken gab. So saßen wir dann auf dem Geweg und harrten der Dinge die da kommen, alles was noch fehlte war ein plärrender Fernseher. Das was kam, war schon ein bißchen zu vergleichen mit den Rennen mit denen wir uns als Staffel so rumschlagen nur alles viel, viel Umfangreicher. Viel mehr Werbung, viel mehr Polizei, viel mehr Hubschrauber, viel mehr Presse…. und viel mehr Hitze. („Unsere Rennen“ finden ja bedauerlicher Weise zu Jahreszeiten statt in denen man sich über positive Temperaturen freuen würde. Zu KSF startete ich dieses Jahr bei -2 Grad)

Kaum war der Tross vorbei haben wir uns wieder in unsere kuscheligen Klamotten gehüllt um uns dann auf dem schnellsten Weg zum Etappenziel in Valkenburg (NL) zu machen und zwar in dem wir die Autobahn nahmen um so die Torustrecke zu kreuzen und von Norden her nach Valkenburg zu kommen. Dank des ausgezeichneten Orientierungssinnes unseres Tourguides (und ein bißchen Glück) landeten wir ca. 1km hinter dem Ziel, parkten dort und machten uns dann zu Fuß auf den Weg zum Ziel (mit Jacke und Helm und Tankrucksack im Arm), wo wir dann auch zum ersten mal auf einer Videowand Fernsehbilder von der Tour sehen konnten. So wurden wir Zeuge des ersten Etappensieges eines T-Mobile Fahrers.

Immens war natürlich auch hier der Aufwand an Fernsehtechnik, an Presselogistik (um die 10 Doppelstock Container entlang der Strecke) und Werbung und allem. Und all das muß nach dem Rennen ab- und am Zielort des nächsten Tages und somit nmindestens 200km entfernt wieder aufgebaut werden. Eine immense Logistik Leistung.

An den Rückweg zu den Motorrädern war bis zum Abschluß der Siegerehrung nicht zu denken, dann ging es den Kilometer wieder zurück (mit Jacke und Helm und so…) und nach einer zünftigen Portion Pommes Special gen Heimat. Unter Ausnutzung der bauartbedingten Vorteile des Motorrades ging es vorbei an endlosen Staus aus Zuschauer- und Tourfahrzeugen auf die Autobahn Richtung Aachen, dann über Land via Düren ab nach Hause. Eine viertel Stunde vor Halbfinalbeginn war ich daheim. Erschöpft aber glücklich.

Fazit: Es war anstrengend, warm und stellenweise riskant aber ich kann sagen: ICH WAR DABEI