Bonn bombig


Frage 1: Was ist ungefähr 360.000 Jahre alt, wippt im Takt und singt über Perfect Love oder den Versuch irgendwelche Jahre zurück zu halten? Richtig, Das Publikum eines Simply Red Konzerts im August 2006.
Frage 2: Was passiert, wenn irgendwer so gegen 22.00 Uhr einen Koffer an einem Bonner U-Bahnhof stehen lässt im August 2006? Richtig…

aber von Anfang an…
Simply Red, Open Air auf der Bonner Museumsmeile stand an, im Januar als Sommervenent geplant, mittlerweile zum meteorologischen Glücksspiel avanciert. Bei der komplexen Planung der Anreise (einer kommt aus Köln, einer aus Zülpich, treffen in Bonn) grade noch die sehr klein gedruckte Notiz gefunden, daß die Karten auch als Tickets im Verkehrsverbund gelten. Gute Nachricht. Also Plan: per Auto nach Euskirchen und dann per Bahn nach Bonn. Rückfahrten gibt es alle halbe Stunde bis 0:37, aber so lange spielt der eh nicht.

Erfreulicher Weise hat der Teil auch geklappt. Im Gewitterregen voll froher Hoffnung nach Euskirchen gefahren, Auto auf dem dortigen P+R Parkplatz abgestellt und in gemütlichen 40 Minuten Zum Bonner Hauptbahnhof gezuckelt, „Zielperson“ getroffen und mit der U-Bahn (Zitat: „ist ja voller als bei Robbie Williams nach Köln“) zur Heussallee. Dann noch ein paar Schritte und schon war man drin.

219473381_2f3673832f_m.jpgDas Ambiente ist ganz witzig, man steht halt zwischen riesigen Betonwänden (den Museen) aber da selbigen ja architektonisch gestaltet und außerdem mit Plakaten behangen sind, fällt das nicht negativ auf. Der Hofbereich ist zur Hälfte mit einem großen Zelt überdacht, es gibt mittendrin Bier-, Salzbretzel- und Cocktailstände so weit so gut.
Die Bühne ist für ein Open Air Event ohne Bestuhlung, das heißt wo Menschen unterschiedlicher Körperhöhe relativ dicht nebeneinander stehen eindeutig zu niedrig. Ich konnte aus 1,90m Höhe immerhin noch ein bißchen was sehen, alle Menschen darunter hatten nur die beiden (auch was kleinen) Videowände rechts und links der Bühne, die man aus manchen Blickwinkeln erkennen konnte, und den Sound.

Der Sound war gut. Es klang fast wie von der CD, die Stimme von Mick Hucknall klang genau wie vor 18 Jahren…. aber genau das war ein Teil des Problems, meine Meinung nach. Simply Red spielten ihre großen Hits (leider nicht mal alle) genau wie man sie seit Jahren kennt, keine Vriation, keine Modifikation… einzig „Holding Back the Years“ erinnerte etwas mehr an das 2005er Album Simplified und klang anders aber trotzdem gut. Meine fachkundige Begleitung bemerkte dann auch, daß die Reihenfolge der Leider im großen und ganzen der auf den Alben entsprach. Dann gingen Simply Red nach ungefähr einer Stunde auch schon von der Bühen um sich vom Publikum bitten zu lassen doch noch mal weiter zu spielen, man kennt das ja. (Ich finds albern. Wären die Karten nicht so teuer gewesen hätte man einfach gehen müssen, nur um die zu ärgern) Dann also Zugabe („Das war in Koblenz damals auch das erste Lied der Zugabe“) und das ganze nach weiteren 20 Minuten noch mal. Dann um 21:40 ging das normale Licht an, auf der Videowand lief wieder der Museumswerbefilm und Schluß.

Apropos Licht. Das Bühnenlicht war zwar technisch OK (geil was man mit LED heute schon machen kann), keine Monstereffekte, aber das hätte ja auch nicht gepasst. Allerdings hat mich die Ausführung mehr an alte Viva Zeiten erinnert, wo der zuständige Beleuchter mit ein bisschen Glück vorher mal in die CD reinhören konnte, sich dann was ausgedacht hat was ungefähr passt um das ganze dann mit persöhnlichem Taktgefühl abzufahren. Anders gesagt, Lichtwechsel und Akzente wikten eher zufällig als geplant. Schade.
Wer jetzt für die Bespielung der Videowände zuständig war würde mich noch Interessieren. Ob das vom Museum ausging (eh Leute ich such da noch ’n Job!) oder zur Tour gehörte. Es war ganz OK, aber vier Kameras sind ja auch ein bißchen wenig.

Fazit Konzert: Angesichts der Ticketpreise (je 40 Euro, das waren immerhin mal 80 Mark!) Preis Leistungsverhältnis: mäßig. Aber immerhin: geregnet hat es nicht